Am 27. September stimmt Amriswil über das Projekt Kunstrasen ab. Die Stadt informierte darüber Ende August. Im Anschluss an die Informationsveranstaltung fand eine Mitgliederversammlung der SP Amriswil zur Parolenfassung statt. In der Diskussion zeichnete sich ein Meinungskonflikt zwischen dem gesellschaftlichen Nutzen eines Kunstrasens und ökologischen Bedenken ab. Die vom Stadtrat hervorgehobenen positiven Aspekte werden anerkannt: Die Sportvereine, insbesondere der FC haben einen hohen gesellschaftlichen Nutzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Durch den Kunstrasen wird viel dringend benötigte Hallenfläche frei und die aktuell prekären Trainingsmöglichkeiten der Vereine können wieder gewährleistet werden.
Aus ökologischer Sicht hat ein Kunstrasen problematische Seiten und ist keineswegs umweltneutral. Vor allem zwei Punkte geben zu denken: Durch Abrieb und durch den Alterungsprozess gelangt Mikroplastik ins Trinkwasser und ein Kunststoffrasen heizt sich im Sommer auf und bildet eine beträchtliche Wärmeinsel. Den kritischen Fragen von Seiten der SP begegnet der Stadtrat folgendermassen. Der Kunstrasen ist vollkommen PFAS-frei. Es handelt sich um die unverfüllte Variante mit deutlich weniger Umwelteintrag als der klassische Kunstrasen mit synthetischem Granulat. Der Wasserverbrauch ist um ein Vielfaches geringer als bei Naturrasen. Der Kunstrasen wird am Ende seiner Lebensdauer von 15 Jahren vollständig wiederverwertet. Die SP Amriswil sieht die präventive Installation einer Kamera kritisch. Da es einen 4 Meter hohen Zaun gibt, ist eine Kameraüberwachung unverhältnismässig. Dies könnte das Stadtrat bei der Umsetzung des Projektes nochmals überdenken und eine Kamera erst installieren, wenn sie gebraucht wird.
Bei der Parolenfassung waren sich die SP-Mitglieder nicht einig. Zur Debatte standen Zustimmung und Stimmenthaltung. Es gab eine zustimmende Mehrheit, so dass die SP den Amriswiler Stimmberechtigten empfiehlt, dem Kunstrasenprojekt zuzustimmen.
Die SP formuliert aber einige Forderungen an den Stadtrat. Sie fordert, dass bei der Ausschreibung des Projekts eine verbindliche Zusage von der ausführenden Firma eingefordert wird, dass sie den Kunstrasen nach 15 Jahren zurücknimmt und das Recycling auch wirklich durchführen lässt. Ausserdem soll ein Nachweis verlangt werden, dass der Kunstrasen keine problematischen Stoffe in relevanten Konzentrationen ins Sickerwasser abgibt. Die Materialzusammensetzung und die PFAS-Freiheit soll durch den Hersteller glaubwürdig dokumentiert werden.